Impressionen 

Juni 2004

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Wenn man Expatriate ist, hat man übrigens auch eine andere Beziehung zu den Dingen. Um ein Bankkonto zu eröffnen kommt zB der entsprechende Bankenvertreter ins Büro, man unterschreibt einen Karton, gibt Ihm eine Passkopie und damit ist der Fall erledigt. Das Ausfüllen des Antrags etc. macht er dann im Büro. Auch zur Eintragung ins Handelsregister kommt der Notar und die Rechtsanwältin ins Büro, man unterschreibt, es wird wild gestempelt und damit ist es passiert.

Die Aufenthaltsgenehmigung erledigt am besten die politische Beraterin, denn – so meint Sie –  der Besuch bei der Ausländerpolizei ist eher als Protokollbesuch zu sehen, also mit Chauffeur und Termin und natürlich zum Chef, nicht an irgendeinen Schalter.

Belgrad ist auch eine Stadt, in der der öffentliche Dienst nie schläft. So begegnet man der Müllabfuhr 24 Stunden am Tag, oder der Straßenreinigung am Neujahrstag. Bedingt ist das aber eher dem Mangel an Fahrzeugen und Material, während die Arbeitskräfte billig sind.

Billig ist auch das Wasser. Daher werden die Straßen auch nicht gekehrt - wobei ja vieles an Staub nur aufgewirbelt wird - sondern gewaschen. Es kommt einem zwar etwas merkwürdig vor, wenn bei Regen die Straßenreinigung kommt und alles abspritzt, aber es jedenfalls effektiv.

Dafür steht man aber immer mit einem Bein im Gefängnis, die Polizei ist ständig im Haus. Öfters sucht z.B. die Kripoabteilung für organisiertes Verbrechen in unseren Rechnungen von 1997, und wehe wenn eine Eintragung auf den zahlreichen Formularen fehlt! Auch beim Autofahren sollte man immer einen Fahrbefehl dabeihaben, wehe wenn man ohne diesen erwischt wird. Polizeikontrollen sind auf den Straßen sehr häufig, besonders wenn wenig Verkehr und auch sonst nichts los ist. Auch Nachts hält sich die Polizei nicht untätig in der Wache auf, sondern hält sich in Stadt und Land durch Kontrollen warm. Auf 200 km Straße haben wir schon einmal 5 Kontrollen gezählt, und bei jedem echten oder vermeintlichen Verstoß wird abkassiert.

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Akt am 08. jan 2006