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Impressionen |
Juni 2004 |
Viel besser als erwartet waren die ersten Kontakte mit den Serben. Sie waren wesentlich offener und zugänglicher als die Franzosen, wenn man „durch die richtige Tür hereinkommt“. Wenn man sich etwas Zeit für Sie nimmt, bricht das Eis schnell. Viele sind vom Krieg noch eingenommen, fast jeder ist ja eigentlich ein Mischling, mit Eltern und Verwandten in anderen Ländern des alten Jugoslawien. Viele haben über Monate oder Jahre Ihre Familie im Krieg nicht gesehen oder sind deswegen als „unzuverlässig“ benachteiligt worden. Von den Jungen sind auch viele ausgewandert und sie kommen jetzt teilweise zurück, weil sie sich bessere Bedingungen erhoffen. Allerdings kann der Arbeitsmarkt und die hiesigen Gehälter natürlich nicht mithalten. Unsere Automechaniker und unser zweiter Fahrer sind Ingenieure, die Sekretärin Juristin etc. etc. Im Land ist das Durchschnittsnettogehalt 200 Euro/Monat.
Alle denken übrigens in Euro, auch für Mieten, Gehälter oder Autopreise, erst im letzten Moment wird auf Dinar umgerechnet. Auch wenn die Inflation „nur“ acht Prozent ist, haben die Leute in der Inflation in den 90er Jahren alle Ersparnisse verloren, die meisten lokalen Banken mussten geschlossen werden und das Vertrauen der Leute in Ihr Geld ist kaum vorhanden. Daher geht es den ausländischen Banken hier auch recht gut.
Eine andere Frage ist, wie es mit der Sicherheit steht. Man kann durchaus sagen, daß man in Serbien ein anderes Verhältnis zu Gewalt hat wie in anderen Teilen Europas. Dabei ist man im Alltag eigentlich sehr sicher - vielleicht auch durch die hohe Polizeipräsenz und weil es momentan eben ruhige Zeiten sind. Kleinkriminalität ist selten, man kann ohne weiteres nachts um zwei Uhr im Anzug und Krawatte durch die Stadt gehen, ohne um seine Geldbörse fürchten zu müssen. Es ist vielleicht wahrscheinlicher, bei einem Empfang neben einem Prominenten zu stehen, auf den gerade ein Attentat verübt wird.
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Das dies jedoch alles relativ ist, zeigt sich an Kleinigkeiten. So zB ein harmloses, aber völlig gewöhnliches Schild an einer Bank, das darauf hinweist, wie der geehrte Kunde bitte nicht in die Bank kommen soll. |
Aber auch in diesem Bezug ist der Fortschritt sichtbar. In einem großen Hotel wurde der Metalldetektor, der 2004 noch gleich hinter dem Eingang stand, abgebaut und durch tragbare Handdetektoren ersetzt, die das Personal jetzt nur mehr für bestimmte Gäste oder zu bestimmten Anlässen verwendet. Und sollte man sich im allgemeinen nicht von seiner geliebten Waffe trennen können, so ist es völlig normal, sie an der Garderobe abzugeben.