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Impressionen |
Juni 2004 |
Die Serben sind ein fröhliches Völkchen, die gerne am Abend in der Kneipe oder so sitzen. Man kann auch stundenlang bei einem einzigen Glas Cola in einem Cafe am Flussufer sitzen und stundenlang diskutieren, ohne das der Wirt auch nur einmal kommt und aufdringlich fragt, ob man etwas bestellen will.
Wenn es am Abend nichts gibt – glücklicherweise kommt das auch vor, sogar am Wochenende, dann gehe ich früh schlafen. Man lebt hier überhaupt früher, aber es geht ja auch die Sonne früher auf. Mittagessen geht man hier irgendwann zwischen elf und fünf Uhr, und Abendessen zwischen sechs und elf, alles habe ich schon erlebt. Man isst sehr gut hier. Es wird viel Fleisch gegessen, man bekommt aber in Belgrad auch guten Fisch, dazu kaum Beilagen aber viel Gurken- und Paradeissalat.
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Aber das Nationalgericht ist natürlich die Pleskavica. Schweinehackfleich, aber gut angerichtet, wird gebraten und dann mit allerlei Zutaten versehen in ein Brot gepackt. Der Big Mac ist nur der kleine ärmliche Verwandte, und man ist sich nach dem Verzehr dieses schmackhaften Brockens auch sicher, etwas gegessen zu haben. |
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Schnaps, dh. Rakija, gibt es natürlich zu jedem richtigen Essen, es wird auch bemerkt, ob man einen heimischen Rakija oder als "Schwaba" (Deutscher, Österreicher) einen ausländischen Aperitif nimmt.
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Rakija gibt es aus allerlei Früchten, so Kajsir (Abrikose),
Slivovic (Zwetschke) oder Viliamovka (Birne).
Böse Zungen sagen, daß hier ein richtiges Frühstück aus Kaffee, Zigarette und Rakija besteht. Wichtiger ist beim Rakija aber, daß er meistens selbstgebrannt ist, in der Familie und mit Freunden, und von daher seinen Platz in der Gesellschaft hat. |
Und wenn es richtig gemütlich wird, dann kommt auch noch die Musik dazu.
Meistens von Zigeunern gespielt und natürlich mit Gesang. Die traditionellen Lieder sprechen von der Liebe, dem traurigen Leben, den guten Zeiten, den Gefühlen. Daneben gibt es auch noch die Blechmusik, die aber eher zu Hochzeiten oder im Freien gespielt wird. Sie ist eine Mischung aus türkischer Musik, östereichischen Militärkapellen, serbischem Improvisationstalent, Kakophonie und Lärm. Aber das internationale Festival in Guca, eine Art Woodstock der serbischen Musik, zieht mit seinen 500 000 Besuchern inzwischen auch viele Ausländer an. |
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